Archiv für die Kategorie ‘Geschichte’

Heeresversuchsanstalt Peenemünde

Dienstag, 18. Januar 2011

Auf Usedom befand sich während der Dritten Reiches die im Jahre 1936 in Betrieb genommene „Heeresversuchsanstalt Peenemünde“, kurz HVA. Sie wurde im Jahre 1938 durch eine Erprobungsstelle für die deutsche Luftwaffe ergänzt („Peenemünde West“). Diese beiden Einrichtungen gehörten zu den modernsten und innovativsten militärischen Forschungs- und Erprobungsstätten vor und während des zweiten Weltkrieges. Hier wurde mit der V2 (Projektname A4) die erste auch funktionsfähige Großrakete entwickelt, gebaut und getestet. Parallel dazu wurde in Peenemünde West die Flügelbombe Fi 103 entwickelt, gebaut und getestet. Sie wurde unter dem Namen V1 bekannt. In Peenemünde wurden jedoch nur Versuchsstarts durchgeführt, da die Reichweite beider Flugobjekte zu gering war, um von hier aus britisches Territorium zu erreichen.

Der Standort wurde so gewählt, weil dieser Teil der Insel Usedom total vereinsamt war und es auch möglich war, die abgeschossenen Versuchsraketen von der Insel Rügen aus noch bis zu 400 km zu beobachten. Darauf hin wurde die Infrastruktur für das Gelände erschlossen, Forschungs- und Produktionsstätten errichtet sowie Wohnungen und Kasernen gebaut.

Die V1 war quasi die Vorgängerin der heutigen Cruise-Missiles. Ab Mitte des Jahres 1944 wurde sie von Nordfrankreich aus gegen die englische Hauptstadt London eingesetzt. Fast 9000 V1-Flugkörper wurden vom Boden aus gestartet und 1600 von Flugzeugen aus. Nur weniger als die Hälfte erreichten allerdings ihr Ziel. Die meisten wurden von britischen Flugzeugen, der Flak oder Sperrballons unschädlich gemacht.

Ab dem September des Jahres 1944 wurden auch die ballistischen Raketen V2 auf England und Belgien abgefeuert. Der Start erfolgte von mobilen Rampen und es wurden ungefähr 3200 Raketen gestartet. Der Einsatz forderte tausende zivile Menschenleben.

Nach dem Krieg wurde das Know How der deutschen Raketenentwickler von den USA und der UdSSR genutzt und weiter entwickelt. Die führenden deutschen Forscher und Entwickler wurden in diese Länder (zwangs-)verpflichtet und trugen maßgeblichen Anteil daran, dass sich gerade in Amerika und Russland die Raketentechnik rasant entwickelte und die Anfänge für einen Start ins Weltall erschaffen wurden.

Die Urlaubsinsel Usedom im 20. Jahrhundert

Mittwoch, 04. November 2009

Während des Zweiten Weltkriegs befanden sich in Peenemünde auf Usedom viele militärische Einrichtungen. Im Norden der Insel lag zum Beispiel die Heeresversuchsanstalt Peenemünde. Diese war ein Testgelände für Raketen, die 1938 um die Erprobungsstelle der Luftwaffe Peenemünde-West erweitert wurde. In Swinemünde existierte außerdem ein Marinestützpunkt.

Diesen Anlagen galten die Luftangriffe der Allierten in den Jahren 1943 bis 1945. Der Angriff auf Swinemünde 1945 führte zu zahlreichen Opfern unter sich dort stauenden Flüchtlingen. Man setzte sie in Massengräbern auf dem Golm, direkt an der heutigen Grenze, bei. Dort befindet sich heute eine Gedenkstätte. 2005 eröffnete die Deutsche Kriegsgräberfürsorge hier eine internationale Jugendbegegnungsstätte.

Auf der Potsdamer Konferenz wurde beschlossen, Swinemünde der polnischen Verwaltung zu unterstellen. Die Übergabe erfolgte im Oktober 1945 im Beisein von Vertretern der sowjetischen Besatzungsmacht. Im Jahre 1950 erkannte die DDR und 1990 auch das wiedervereinigte Deutschland die neue Grenze an.

Im Zeitraum von 1945 bis 1952 bestand der deutsche Teil der Insel als Kreis Usedom in der Sowjetischen Besatzungszone weiter. Der Sitz der Kreisverwaltung war von 1945 bis 1946 Bansin und danach Ahlbeck. Dorthin war bereits im Oktober 1945 die sowjetische Kreiskommandantur verlegt worden. Mit der Verwaltungsreform von 1952 entstand aus dem Kreis Usedom und Teilen des angrenzenden Festlandes der neue Kreis Wolgast. Der Sitz der Kreisverwaltung wurde in die gleichnamige Stadt gelegt. Dieser Kreis bestand bis 1994. Dann wurde er im Zuge einer Kreisgebietsreform mit den Kreisen Anklam und Greifswald zum Landkreis Ostvorpommern zusammengeschlossen. Dieser hat seinen Verwaltungssitz in der Stadt Anklam.

Der Tourismus blieb nach dem Zweiten Weltkrieg ein wichtiger Wirtschaftszweig. 1953 wurden die Besitzer der meisten privaten Hotels und Pensionen enteignet. Volkseigene Betriebe, der Feriendienst des FDGB und staatliche Einrichtungen der DDR übernahmen die Unterkünfte.

Viele Bewohner der Ostseeinsel fanden Arbeit im Großbetrieb Peenewerft Wolgast. In der Zeit der DDR erledigte dieser vor allem Rüstungsaufträge. Darüber hinaus war das Militär ein bedeutender Arbeitgeber. Im Norden von Usedom übernahm die NVA die alten Militäranlagen in Peenemünde und Karlshagen von den Sowjets. Aus diesen wurde ein Marine- und Luftwaffenstützpunkt. Es gab zudem Einheiten der Nationalen Volksarmee in Pudagla und der Roten Armee in Garz. Nach 1990 löste man alle Armeestandorte auf.

Hauptwirtschaftsfaktor ist seit 1990 der Fremdenverkehr. Insbesondere in alten Badeorten wird mit Reminiszenzen an die Vergangenheit vor 1933 geworben. So werden beispielsweise Ahlbeck, Bansin und Heringsdorf als Kaiserbäder bezeichnet.