Auf Usedom befand sich während der Dritten Reiches die im Jahre 1936 in Betrieb genommene „Heeresversuchsanstalt Peenemünde“, kurz HVA. Sie wurde im Jahre 1938 durch eine Erprobungsstelle für die deutsche Luftwaffe ergänzt („Peenemünde West“). Diese beiden Einrichtungen gehörten zu den modernsten und innovativsten militärischen Forschungs- und Erprobungsstätten vor und während des zweiten Weltkrieges. Hier wurde mit der V2 (Projektname A4) die erste auch funktionsfähige Großrakete entwickelt, gebaut und getestet. Parallel dazu wurde in Peenemünde West die Flügelbombe Fi 103 entwickelt, gebaut und getestet. Sie wurde unter dem Namen V1 bekannt. In Peenemünde wurden jedoch nur Versuchsstarts durchgeführt, da die Reichweite beider Flugobjekte zu gering war, um von hier aus britisches Territorium zu erreichen.
Der Standort wurde so gewählt, weil dieser Teil der Insel Usedom total vereinsamt war und es auch möglich war, die abgeschossenen Versuchsraketen von der Insel Rügen aus noch bis zu 400 km zu beobachten. Darauf hin wurde die Infrastruktur für das Gelände erschlossen, Forschungs- und Produktionsstätten errichtet sowie Wohnungen und Kasernen gebaut.
Die V1 war quasi die Vorgängerin der heutigen Cruise-Missiles. Ab Mitte des Jahres 1944 wurde sie von Nordfrankreich aus gegen die englische Hauptstadt London eingesetzt. Fast 9000 V1-Flugkörper wurden vom Boden aus gestartet und 1600 von Flugzeugen aus. Nur weniger als die Hälfte erreichten allerdings ihr Ziel. Die meisten wurden von britischen Flugzeugen, der Flak oder Sperrballons unschädlich gemacht.
Ab dem September des Jahres 1944 wurden auch die ballistischen Raketen V2 auf England und Belgien abgefeuert. Der Start erfolgte von mobilen Rampen und es wurden ungefähr 3200 Raketen gestartet. Der Einsatz forderte tausende zivile Menschenleben.
Nach dem Krieg wurde das Know How der deutschen Raketenentwickler von den USA und der UdSSR genutzt und weiter entwickelt. Die führenden deutschen Forscher und Entwickler wurden in diese Länder (zwangs-)verpflichtet und trugen maßgeblichen Anteil daran, dass sich gerade in Amerika und Russland die Raketentechnik rasant entwickelte und die Anfänge für einen Start ins Weltall erschaffen wurden.