Die Urlaubsinsel Usedom im 20. Jahrhundert
Während des Zweiten Weltkriegs befanden sich in Peenemünde auf Usedom viele militärische Einrichtungen. Im Norden der Insel lag zum Beispiel die Heeresversuchsanstalt Peenemünde. Diese war ein Testgelände für Raketen, die 1938 um die Erprobungsstelle der Luftwaffe Peenemünde-West erweitert wurde. In Swinemünde existierte außerdem ein Marinestützpunkt.
Diesen Anlagen galten die Luftangriffe der Allierten in den Jahren 1943 bis 1945. Der Angriff auf Swinemünde 1945 führte zu zahlreichen Opfern unter sich dort stauenden Flüchtlingen. Man setzte sie in Massengräbern auf dem Golm, direkt an der heutigen Grenze, bei. Dort befindet sich heute eine Gedenkstätte. 2005 eröffnete die Deutsche Kriegsgräberfürsorge hier eine internationale Jugendbegegnungsstätte.
Auf der Potsdamer Konferenz wurde beschlossen, Swinemünde der polnischen Verwaltung zu unterstellen. Die Übergabe erfolgte im Oktober 1945 im Beisein von Vertretern der sowjetischen Besatzungsmacht. Im Jahre 1950 erkannte die DDR und 1990 auch das wiedervereinigte Deutschland die neue Grenze an.
Im Zeitraum von 1945 bis 1952 bestand der deutsche Teil der Insel als Kreis Usedom in der Sowjetischen Besatzungszone weiter. Der Sitz der Kreisverwaltung war von 1945 bis 1946 Bansin und danach Ahlbeck. Dorthin war bereits im Oktober 1945 die sowjetische Kreiskommandantur verlegt worden. Mit der Verwaltungsreform von 1952 entstand aus dem Kreis Usedom und Teilen des angrenzenden Festlandes der neue Kreis Wolgast. Der Sitz der Kreisverwaltung wurde in die gleichnamige Stadt gelegt. Dieser Kreis bestand bis 1994. Dann wurde er im Zuge einer Kreisgebietsreform mit den Kreisen Anklam und Greifswald zum Landkreis Ostvorpommern zusammengeschlossen. Dieser hat seinen Verwaltungssitz in der Stadt Anklam.
Der Tourismus blieb nach dem Zweiten Weltkrieg ein wichtiger Wirtschaftszweig. 1953 wurden die Besitzer der meisten privaten Hotels und Pensionen enteignet. Volkseigene Betriebe, der Feriendienst des FDGB und staatliche Einrichtungen der DDR übernahmen die Unterkünfte.
Viele Bewohner der Ostseeinsel fanden Arbeit im Großbetrieb Peenewerft Wolgast. In der Zeit der DDR erledigte dieser vor allem Rüstungsaufträge. Darüber hinaus war das Militär ein bedeutender Arbeitgeber. Im Norden von Usedom übernahm die NVA die alten Militäranlagen in Peenemünde und Karlshagen von den Sowjets. Aus diesen wurde ein Marine- und Luftwaffenstützpunkt. Es gab zudem Einheiten der Nationalen Volksarmee in Pudagla und der Roten Armee in Garz. Nach 1990 löste man alle Armeestandorte auf.
Hauptwirtschaftsfaktor ist seit 1990 der Fremdenverkehr. Insbesondere in alten Badeorten wird mit Reminiszenzen an die Vergangenheit vor 1933 geworben. So werden beispielsweise Ahlbeck, Bansin und Heringsdorf als Kaiserbäder bezeichnet.